Montag, 23. Februar 2026

Händels Musikdramatik

1703 erschütterte ein großes Erdbeben Italien ud außerdem wütete noch der spanische Erbfolgekrieg. Krieg und Naturkatastrophen, so meinte der der Papst genau zu wissen, sind Strafen Gottes für die Sünden der Menschen. Also verbot er erst einmal den römischen Karneval. Und dann auch sonstigen Mummenschanz, wie Opernaufführungen, die ja ganz klar das sündhafte Tun der Menschen begünstigten, wenn nicht gar hervorriefen. Schlecht für Georg Friedrich Händel, der 1707 nach Italien fuhr, um sich im Verfassen von Opern zu vervollkommnen. Als er in Rom eintraf, saß Clemens XI. immer noch auf dem Stuhl Petri und hatte Operaufführungen noch nicht wieder zugelassen. Es gab aber Ersatz: Oratorien. Und so schrieb Händel in Italien zuerst ein Oratorium, Il Trionfo del Tempo e del Disinganno (Der Triumph der Zeit und der Wahrheit), das er 30 Jahre später in London neu fasste und weitere 20 Jahre später ins Englische übersetzen ließ. Danach erst kam die Oper Rodrigo in Florenz, die »Serenata« (auch das ist eine Oper, nur hat sie statt der üblichen drei nur einen oder maximal zwei Akte) Aci, Galatea e Polifemo in Neapel und Agrippina in Venedig heraus, ehe er nach Deutschland zurückkehrte. Ein weiteres Oratorium, das er für Rom schrieb, La risurrezione (Die Auferstehung), verschwand für zweieinhalb Jahrhunderte

Der Bischof von London schrieb sich 25 Jahre später ebenso wie Papst Clemens XI. in die Musikgeschichte ein, indem er die szenischen Aufführungen der Masque Acis and Galathea und des geistlichen Dramas Esther im King's Theatre verbot. Der überwältigende Erfolg der beiden konzertanten Aufführungen schien Händel ermutigt zu haben, weitere Oratorien zu schreiben. Auf die erzwungene Neufasung der Esther folgten Deborah und eine ganze Reihe von geistlichen aber auch weltlichen Werken. 1744/45 veranstaltete Händel eine letztlich leider nicht sehr erfolgreiche Reihe von konzertanten Aufführungen im King's Theatre, zu denen Heracles gehörte, darüber sprachen wir vor etwas mehr als einem Jahr, und Belshazzar. Für beide schrieb Charles Jennens (1700 oder 1701 – 1773) den Text. Jetzt zu Belshazzar. Die biblische Geschichte ist auch noch durch andere Quellen verbürgt bzw. ergänzt (siehe z. B. Wikipedia). Bei YouTube können Sie eine Auffürhung von René Jacobs mit Kenneth Tarver und Bejun Mehta finden (hier).

 Giulio Cesare (in Egitto) ist vermutlich die bekannteste Oper von Georg Friedrich Händel. Ihre erste Version schrieb er für seine »Erste Akademie«. Sie war von schon in ihrer ersten Fassung am 20. Februar 1724 sehr erfolgreich und Händel arbeitete sie mehrmals um. Schon im Juli 1724 gab Händel selbst eine Partitur heraus (hier bei IMSLP zu sehen), aber es gab im gleichen Jahr auch einen Raubdruck. Die Titelrolle schrieb er für den Alt-Kastraten Senesino (Francesco Bernardi, 1686–1758), die Rolle der Cleopatra für Francesca Cuzzoni (1696–1778). Für beide schrieb er jeweils nicht weniger als acht Arien. Giulio Cesare ist eine lange Oper; es kamen auch noch weitere hinzu, z. B. für Nireno, der in der ersten Fassung keine hatte. Noch im Laufe der »Ersten Akademie« kam 1725 eine zweite Fassung heraus. Im Laufe der »Zweiten Akademie« kamen 1730 und 1732 zwei weitere Fassungen heraus. Giulio Cesare gehörte zu den erfolgreichsten Opern der frühen Händel-Festspiele in Göttingen. In der dritten Spielzeit, 1922 kam eine – freilich stark gekürzte – Fassung heraus – natürlich in Deutsch und mit einem Bariton in der Titelpartie. Daraufhin nahm sich 1923 auch die Berliner Staatsoper der Oper an. 1978 kam Julius Cäsar (immer noch in Deutsch) wieder an die Berliner Staatsoper. Am Pult stand einer, der mit Barockmusik reichich Erfahrung hatte – als Evangelist in den Passionen Bachs und in Kantaten: Peter Schreier. Die Titelpartie sang Theo Adam, Celestina Casapietra war Cleopatra. Erhard Fischer inszenierte. Bei YouTube hier zu besichtigen. Musikalisch ist das eher ein Digest. In den Arien fällt fast durchweg das Dacapo weg. So kommen sie auf eine Spieldauer von 2 Stunden. Eine aktuellere Fassung bekommt man hier. Eine Aufnahme aus dem Théâtre des Champs-Élysées von 2022. Das dauert dann fast dreieinhalb Stunden. Die Stimmlagen sind hier etwas näher am Original. Die Titelpartie wird als Hosenrolle interpretiert, aber das ist durchaus auch mit der Praxis von Händel (nicht mit dieser Partie, aber mit anderen) zu vereinbaren. Noch etwas vollständiger mit über 4 Stunden (und mit Untertiteln) scheint diese Aufnahme zu sein mit Andreas Scholl, Philippe Jasroussky, Cecilia Bartoli, Anne-Sofie von Otter und Altmeister Jochen Kowalski (dessen Funktion als Travestie ich allerdings nicht ganz verstehe).

Dann also bis Mittwoch, ich freue mich auf Händel,
Ihr Curt A. Roesler

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